
„Ich esse nur, weil ich hier stehe”
Rabia zählt die Münzen in ihrer Hand. Fünf Euro. Damit muss sie heute auskommen – für Brot, vielleicht etwas Gemüse. 150 Euro im Monat, verteilt auf 30 Tage. „Wenn ich nicht zur Lebensmittelausgabe gehen würde, wäre es absolut katastrophal”, sagt sie.
Über 5,3 Millionen Menschen in Deutschland sind auf Bürgergeld angewiesen. Doch die geplante Reform könnte ihre Situation noch verschlimmern.
5 Euro pro Tag: Was der Regelbedarf wirklich bedeutet
- Eine Packung Nudeln (1 Euro)
- Eine Dose Tomaten (0,80 Euro)
- Ein halbes Brot (1,50 Euro)
Frisches Gemüse? Fast unmöglich. Dabei empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung mindestens 250 Euro im Monat für eine ausgewogene Ernährung.
Der Regelbedarf von 563 Euro für Alleinstehende deckt auch Kleidung, Hygieneartikel, Strom und Mobilität ab. „Wenn die Miete bezahlt ist, bleibt oft nichts mehr übrig.”
Sanktionen als Lösung? Warum die Reform an der Realität vorbeigeht
Die geplante „Neue Grundsicherung” sieht härtere Strafen vor: Dreimaliges Nichterscheinen? Streichung des Geldes.
Doch Joshua, 32, BWL-Studium, jahrelang Projektmanager, sucht seit einem Jahr vergeblich einen Job. „Ich bewerbe mich täglich, aber ohne Erfolg. Die Wirtschaftslage ist schlecht.”
Studien des IAB zeigen, dass Sanktionen selten zu Jobvermittlungen führen. Stattdessen verschärfen sie die Not.
Die vergessenen Gruppen
- Menschen mit psychischen Erkrankungen: „Ich kann nicht einfach einen Termin wahrnehmen, wenn ich eine Panikattacke habe”
- Alleinerziehende: „Ich kann nicht einfach einen Job annehmen, wenn ich keine Kinderbetreuung habe”
- Migranten: Sprachbarrieren und fehlende Anerkennung von Qualifikationen
Ein Sozialstaat, der Menschen auffängt – oder fallen lässt?
Es gäbe Alternativen:
- Bedarfsgerechte Anpassung des Regelbedarfs
- Mehr Investitionen in bezahlbaren Wohnraum und Kinderbetreuung
- Reform des Arbeitsmarkts mit fairen Löhnen
„Wir brauchen ein System, das Menschen auffängt – nicht eines, das sie bestraft.”
Was Sie tun können
- Informieren und teilen – Unterschreiben Sie Petitionen
- Lokal engagieren – Unterstützen Sie Tafeln und Beratungsstellen
- Politischen Druck erhöhen – Schreiben Sie Ihren Bundestagsabgeordneten